Lieder & Stücke

Sammlung Südtirol Manfred Schneider

Der hier abrufbare Katalog, der immer wieder erweitert und ergänzt wird, ist eine reduzierte bzw. vereinfachte Fassung des Detailkatalogs, wie er im Tiroler Volksliedarchiv erarbeitet wurde und einzusehen ist.

Um Varianten aus verschiedenen Orten festzuhalten, unterschiedlichen Besetzungen gerechtzuwerden oder frühere Aufnahmen zu kontrollieren, sind viele Lieder in der Sammlung mehrfach vertreten. Die meisten wurden in der Feldforschung nur mit einer oder zwei Strophen aufgenommen, weitere Strophen befinden sich in den zur Sammlung gehörigen Liederhandschriften, auf die im Katalog verwiesen ist und aus denen Kopien zur Verfügung gestellt werden können.

Einer ganzen Reihe von Gesängen aus der Kirchensingertradition liegen gleiche Melodien zugrunde. Sowohl in den Aufzeichnungen Schneiders als auch in den Liederbüchern trifft man immer wieder auf Informationen darüber. Die betreffenden Lieder wurden aufgrund der Fülle des Materials nicht in allen Fällen auf Band aufgenommen, sodass sie nur mit dem Verweis auf die Melodie eines anderen Liedes in der Sammlung vorkommen. Hier ist im Katalog unter der CD-Nummer mit der Anmerkung "(Melodie)" darauf hingewiesen, dass die Tonaufnahme nur die Melodie zum angegebenen Lied liefert; der zugehörige Text ist zur Gänze in den aufgeführten Handschriften zu finden.

Zum Bestand

Die im vorliegenden Katalog erschlossene Tondokumente-Sammlung entstand v.a. in den Jahren zwischen 1986 und 1988, einige ältere Privataufnahmen ergänzen sie. Der rund 3000 Einzelaufnahmen umfassende Bestand, zu dem außerdem über 200 Handschriften gehören, birgt neben mehreren hundert Tonaufnahmen mit weltlichen Liedern und wenigen Instrumentalaufnahmen eine ganze Reihe an Zeugnissen zum Brauchtum (z.B. Klöckeln, Neujahrsansingen, Pitschilesingen). Der Schwerpunkt jedoch liegt auf dem geistlichen Volksgesang.

Manfred Schneider hat in Folge seiner ausführlichen Sammelfahrten in Osttirol den gravierenden Mangel in diesem Forschungsbereich erkannt, nachdem bisherige Unternehmen diesbezüglich nur fragmentarische bzw. Einzelergebnisse gebracht hatten. Ihm ist es zu verdanken, dass die einzigartige Tradition der sogenannten "Kirchensinger" erstmals und zum Teil buchstäblich in letzter Minute in systematischer Weise aufgezeichnet werden konnte.

Über die Kirchensinger

Diese bäuerlichen Sänger waren archivalischen Quellen zufolge seit dem 17. Jahrhundert in fast allen Gemeinden Tirols für die musikalische Gottesdienstgestaltung zuständig. Meist handelte es sich nur um eine Handvoll Personen - bis Ende des 18. Jahrhunderts nur Männer, später auch Frauen, die häufig einer Familie entstammten und ihr Amt von Generation zu Generation weitergaben. Der Notenschrift waren sie durchwegs unkundig, schrieben lediglich die Texte ihres umfangreichen Repertoires an großteils volkssprachlichen Gesängen in Liederbüchern nieder und tradierten sämtliche Melodien sowie die eigentümlichen Praktiken ihrer Mehrstimmigkeit mündlich.

Im Zuge der Cäcilianischen Kirchenreform des 19. Jahrhunderts wurden die Kirchensinger in vielen Orten von Chören und Organisten, die die neuen, als mustergültig erachteten Kirchenmusikwerke zur Aufführung bringen sollten, abgelöst.

Allein in einigen wenigen Südtiroler Dörfern konnte sich die alte Praxis des Kirchengesangs bis heute halten, so etwa in St.Jakob im Ahrntal, in Geiselberg bei Olang und insbesondere in Mühlbach bei Gais, wo Schneider noch eine singuläre Form der Fünfstimmigkeit aufzeichnen konnte, die mittlerweile - seit dem Tod des alten Chorleiters - bereits der Vergangenheit angehört.